Ist die Drosselung auf 1000W die Lösung?

Kurz-Link: http://evisell.de/?p=1668

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In Köln ist ein Pilotprojekt gestartet, bei dem säumigen Stromkunden,  nicht der Strom gesperrt, sondern die Leistung auf 1000W gedrosselt wird. Möglich wird dies durch den Einsatz von „Intelligenten Stromzählern“, oder auch „Smart Meter“ genannt.

In dem Artikel: Die 1.000-Watt Lösung von Köln der ED heißt es,

„ …. Im Fall einer Stromsperre wird dem Haushalt nicht einfach der Strom gekappt, sondern die Leistung auf  höchstens 1.000 Watt reduziert. Das reicht aus, um die notwendigste Versorgung sicherzustellen. Eine Herdplatte auf kleinster Stufe verbraucht rund 400 Watt. Der Haushalt kann also auf zwei Herdplatten kochen und hat noch 200 Watt für Licht etc. zur Verfügung. Würde aber dann noch ein stromfressender Fön betätigt, würde die gesamte Stromzufuhr unterbrochen. … „

Verzicht

Ich bin einige meiner Stromverbraucher durchgegangen, um mal zu sehen, worauf  ich bei einer solchen Drosselung auf 1000W verzichten müsste. Für eigene Messungen nutze ich den Energy Monitor 3000. Im verlinkten ED-Artikel deutet die Formulierung „.. auf höchsten 1000W“ an, dass die Drosselung allerdings niedriger sein kann.

Einige der Hausgeräte sind deswegen nicht mehr nutzbar, weil die zwar nicht dauerhaft aber auch mal über die 1000W zischen: Kühlschrank, TV-Anlage, Staubsauger .  Ob ich noch ins Internet komme, lässt sich noch nicht sagen, da ich mein Gerät, welches mir mein ISP zur Verfügung stellt, noch nicht gemessen habe. PC und Internet könnte ich nutzen. Die Angaben in Handbuch stimmen nicht immer mit den Messwerten der getesteten Geräte überein. Und meine energieeffizienten Geschirrspüler und Waschmaschine kann ich auch nicht verwenden.

Wie viel die Kochfelder des Herdes in der jeweiligen Stufe benötigen, ist leider nicht messbar. Soweit man die maximale Leistung jeder Herdplatte weiß, errechnet sich das im Dreisatz, welche Stufe, wie viel Watt hat? Ähnlich interessant dürfte es sein, wie das Kochen selber wären; ob und wie der Verbrauch sich ändern würde, wenn man nun mit niedriger Stufe kochen muss. Aber vielleicht erleben dann diverse Gaskocher eine Renaissance.

(Update 23. April 2013) Ich hab beim Hersteller (Gorenje) meines Herdes mal nachgefragt,  ob und wie eine „wattgenaue“ Regelung wäre, wenn mein Strom auf die 1.000W beschränkt würde. Das Ergebnis der Rückfrage:  Der Herd ist gar nicht mehr nutzbar, nicht einmal mit einer Platte ist der Betrieb möglich, weil dieser Hi-Light Glaskeramik-Kochfelder hat. Wer weiß, bei wievielen Geräten der Neuzeit das ebenso ist. Das Ziel, Kochen zu ermöglichen – verfehlt.

Bei Wohnungen, deren Warmwasser-Versorgung und Heizung nicht zentral wäre, müsste nun die benötigtes Warmwasser-Aufbereitung über den Herd erfolgen. Ohne Blitzkocher übrigens, da dieser auch nicht geht. Energieeffizienz ade. Funktioniert in solchen Wohnungen überhaupt noch die Heizung?

Der im Artikel abwertend als „stromfressend“  bezeichnete Fön: mit niedriger Einstufung nutzbar, aber nicht mehr mit voller Power. Für diejenigen, mit wenig Kopfhaar sicherlich leicht verzichtbar, wenn man kurz im Hausflur entlang rennt, ist das Haar auch trocken.

Ich kann allerdings nicht vorhersehen, einen Real-Test unterzogen, wie oft mir die Stromverbraucher ungeplant abschmieren, weil einer andere Person im Haushalt einen Lichtschalter betätigt oder andere Geräte unbedacht einschaltet.

Versorgungssperre verzichtbar

Bei der Drosselung wäre trotzdem ein hoher Verbrauch (am Tag =  24 kWh – hochgerechnet aufs Jahr = 8.760 kWh)  möglich.
Der Gesetzgeber hat zur Sicherung der Grundversorgung die Möglichkeit zur Versorgungssperre eingeräumt. Wenn keine Aussicht auf Bezahlung besteht, muss nicht weiter geliefert werden. Somit wird vermieden, dass der Versorger selber Liquiditätsprobleme bekommt.
Dieser „Liquiditätsschutz“ wird also nicht mehr benötigt. Aber warum nicht gänzlich auf die Versorgungssperre bei Haushalten mit geringen Einkommen verzichten?

Recht & Gesetz

Bei einer Versorgungssperre geht dies noch über den Tisch eines Richters. Somit ist auch die Möglichkeit gegeben, bei einer unberechtigten Sperre, diese vorher zu verhindern. Bei der Drosselung vermisse ich den Ansatz, dass ein Richter über diese Maßnahmen  welche auch die Grundrechte einschränkt, zu entscheiden hat.

Wer haftet eigentlich für Schäden, die evtl. bei einem Elektrogerät eintreten, weil plötzlich die 1000W erreicht und diese sich unerwartet abschalten?

Ob die in Köln installierten Smart Meter dem Positionspapier des Bundesdatenschützers Peter Schaar entsprechen, liest man in dem Artikel leider nichts.

5 Kommentare von "Ist die Drosselung auf 1000W die Lösung?"

  1. Peppy's Gravatar Peppy
    15. April 2013 - 06:50 | Permalink

    Hallo EviSell,

    wenn man wenig Geld hat und noch dazu staatliche Finanzhilfen bekommt, hat man in diesen Land weniger Grundrechte. „Unverletzlichkeit der Wohnung“ HA HA.

    Die Website dieses Vereins hat sogar ne ganze Kategorie über Smart Meter.
    http://www.energieverbraucher.de/de/Energiebezug/Strom/Abrechnung-und-Zaehler/Intelligente-Zaehler__1845

    In einem Artikel aus 2009 wird mal kurz das Thema „Datenschutz“ angerissen. Ansonsten nur Lobesworte über diese Geräte „Das Recht auf intelligenten Stromzähler“. Inzwischen ist das doch eher als Zwang zu sehen.
    Mal ein kritischeres Link zum Smart Meter: http://www.daten-speicherung.de/index.php/tag/smart-meter/
    Vielleicht sollte sich der Verein umbenennen in „… für überwachte Energieverbraucher“ oder so.

    Und diese Rheinenergie sind auch keine Samariter. Die mögen das zwar jetzt zahlen, aber den Kostenaufwand holen die sich zurück.
    Gruß Peppy

  2. Fox's Gravatar Fox
    16. April 2013 - 06:43 | Permalink

    Hi,

    du schreibst, dass du noch nicht weißt, ob du es ins Internet schaffst. Heißt das der PC und Monitor gingen? Das wär ja cool, wenn man trotz dieser 1000W-Begrenzung die weltweite Informationsquelle nutzen könnte. Man/frau wäre dann nicht gänzlich informationslos.

    Der Fuchs

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